Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense, Asteraceae)

Erntezeit: Ackerdistel-Wurzeln

Es kann gut möglich sein, dass Du diesen Korbblütler in Deinem eigenen Garten oder in Deiner Gegend hast. Acker-Kratzdistel habe ich selber im Garten und ich freue mich jedes Jahr mehrmals darüber. Einmal im Garten, immer im Garten :), denn die Pflanze ist mehrjährig und sehr überlebensfähig.

Dieses Wildkraut hat sich ursprünglich auf den trockenen Waldrand spezialisiert. Seine tief im Boden (ca. 3 m) reichende Wurzel und die bis 5 m waagerecht verlaufende Wurzelausläufer bilden Wurzelsprossen, die durch die Erde nach oben wachsen und für einen zuverlässigen Nachwuchs sorgen.

Durch die Entstehung der landwirtschaftlichen Flächen ist der Ackerdistel möglich geworden sich überall zu verbreiten. Als Tiefwurzler kommt es ihm entgegen, wenn die obere Erdschicht ständig bearbeitet wird und die Konkurrenz geschwächt wird.

Die Ackerdistel war deshalb schon immer unbeliebt bei Landwirten und Gärtnern und wird bis heute mit allen Mitteln und auch mit Herbiziden bekämpft.

Diese Pflanze ist sehr motiviert und ausdauernd:

  • Bis 3 m Tiefwurzler mit waagerechten Wurzelausläufern (Rhizome)
  • Vermehrung durch Wurzelknospen
  • Vermehrung durch kleine Wurzelteile (Bruchteile)
  • Weibliche und zwittrige Pflanzen
  • Bildet viele Blüten und sehr viele Samen
  • Samen können bis 10 km fliegen (Schirmchenflieger – Achäne mit Pappus)
  • Liebt Sonne bis Halbschatten, trockene bis feuchte Böden, lehmige, gestörte, bearbeitete, verdichtete Böden, …
  • Hemmt das Wachstum anderer Pflanzen durch Phenolverbindungen
  • Die Blätter sind mit spitzen Dornen ausgestattet

Bestimmung im Winter bis April

  • Weiße, saftige, zarte, knackige Wurzelausläufern (Rhizome), die eigentlich keine Wurzeln sind, sondern der unterirdische Teil der Sprossachse (Stängel)
  • Die Rhizome bestehen aus Internodien (ca. 1-3 cm) und Knoten und haben die gleiche Leitbündelanordnung (Hohlmark) wie später die Sprossachse.
  • An den Knoten gibt es feine Wurzeln, die nach unten wachsen und Trieb- oder Blattknospen, die nach oben wachsen können.
  • Die Rhizome enden in 2-8 sitzenden und lanzettlichen Blättern.
  • Die anfangs nur leicht buchtig gezähnt sind und eine weiche dornige Bewimperung zeigen.
  • Später werden die Blätter fiederspaltig, wellig-kraus und mit stacheligen Blatträndern.
  • Sowohl auf der Blattoberseite wie auch auf der Unterseite kann sich überall eine dornige Behaarung bilden.
  • Die Blattunterseite ist heller und anfangs behaarter.
  • Das Blatt wird dunkelgrün und saftig.

Es gibt einige Unterarten und die genannten Unterscheidungsmerkmale können von Pflanze zur Pflanze sehr variieren, aber sie sind vorhanden. Und es gibt viele blattähnliche Kratzdistel-Arten.

Vorsicht, es gibt auch ähnliche Wurzeln in der Erde, die giftig sein können! Deshalb sollten die Blätter an der Wurzel bleiben und man kann sie auch verwerten, denn sie sind extra lecker.

Ernte und Verwertung

Mich stört nicht, dass dieses Unkraut auch in meinem Garten sein Zuhause gefunden hat. Ich ernte immer Mal wieder etwas davon:

  • Wurzeln ab Januar bis April oder wenn neue Wurzelsprosse hochkommen,
  • die jungen noch weich dornige Blätter bis Anfang April,
  • noch weiche Stängel (geschält) bis Mai,
  • und ab Juni gelegentlich Blüten, um den Salat bunter zu machen,
  • oder ganz selten den Blütenboden.

Durch die Ernte hält sich die Ausbreitung in Grenze. In meinem Garten hat die Ackerdistel gleichzeitig große Konkurrenz durch andere ausdauernde Pflanzenarten.

Im Garten ernte ich Wurzeln mit meiner Grelinette (Gartengabel). So kann ich lange Wurzeln herausziehen, ohne viel Schaden in der Erde anzurichten.

Inhaltsstoffe

Inulin, Fructose, Eiweiß, Bitterstoffe, Calcium, Kieselsäure, Cnicin, Flavonoide, Cynarin, ätherische Öle

Wirkung auf die Gesundheit

Die Wurzel soll belebend, kräftigend und harntreibend sein und wurde auch für Entwurmung bei Kindern verwendet.

Cninin soll positiv auf die Magensaftproduktion und auf die Verdauung wirken. Bitterstoffe, Cynarin und weitere Flavonoide und Wirkstoffe unterstützten die Regenerierung der Leberzellen, beugen Leberzellschäden durch antioxidative Wirkung und hemmende Giftstoffaufnahme vor und fördern die Produktion der Galle.

Inulin ist ein Stichwort für Diabetiker und ein Probiotikum.

(Ackerdistel-Studien: https://www.researchgate.net/search?q=cirsium%20arvense)

Ich persönlich kann die allgemein belebende und die positive Wirkung auf die Verdauung bestätigen. Und die Verdauung ist viel ruhiger als bei Topinambur, wo es sehr laut werden kann. Mir schmeckt das Wurzelgemüse sehr gut.

Verwendung in der Küche

Als Rohkost, oder in Tausend Gerichten als Wurzelgemüse oder die jungen Blätter und Triebe als Spinatersatz oder in Suppen usw. oder die geschälten Stängel als Spargelersatz oder die Blüten oder der Blütenboden als Artischokenersatz oder die Samen für Ölgewinnung. Aus getrockneten Wurzeln kann ein stärkendes Pulver für Soßen oder zum Strecken hergestellt werden.

Rezept: Ackerdistel-Omelett

Ackerdistel-Wurzeln mit Blättern klein schneiden und 5-10 Minuten lang wie Zwiebeln in der Pfanne andünsten oder anbraten. Bärlauch und Zucchini dazu geben. Eier (oder vegan mit Kichererbsenmehl, Tofu und Kala Namak), Salz, Pfeffer kommt noch obendrauf. Guten Appetit!

Die Acker-Kratzdistel ist zwar ein sehr schädliches Unkraut für die optimierte Landwirtschaftsindustrie, für uns bleibt sie weiterhin ein wertvolles und gesundes Wurzel- und Blattgemüse und die Bienen, Schmetterlinge und weitere Insekten lieben sie auch überall.

Mahlzeit!

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2 Gedanken zu „Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense, Asteraceae)“

    1. Wenn Sie sie wie auf den Bildern sehen und wie in der Beschreibung bestimmen und die Wurzeln zusammen mit den Blättern und mit der Spatengabel ernten, dann wird es schwierig sein, sie mit anderen Gattungen oder Familien zu verwechseln. Die Wurzeln allein schon, es gibt andere Wurzeln, die ähnlich aussehen und giftig sind. Und die Blätter allein sind leider mit anderen Gattungen zu verwechseln.

      Distel ist eine allgemeine Bezeichnung für viele Korbblütler-Gattungen, die stachelige Blätter haben. Es gibt die Gattung der Eberwurz-Arten (Carlina) und die Wurzeln der zwei bei uns wachsenden Arten wie Golddistel und Silberdistel beinhalten in den Wurzeln Carlinaoxid. Die Wurzeln sind Pfahlwurzeln und sind scharf und bitter. Ich kenne nur diese Distelgattung, die als leicht giftig für Menschen eingestuft ist.

      Wenn Sie bei der Bestimmung Unterstützung brauchen, dann schicken Sie mir bitte Bilder oder Videoaufnahmen zu. Im Allgemeinen ist Wurzel- und Blattbestimmung nicht für Anfänger. Meine Empfehlung ist eine Pflanzenart erst in allen Stadien zu beobachten und sich über die Inhaltsstoffe zu informieren und danach sie zu verwerten und nicht häufiger als ein- zweimal die Woche von einer Pflanzenart.

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