Gemeiner Rainkohl (Lapsana communis, Asteraceae)

Jäten = Erntezeit

Du hast einen Garten, dann bist Du dem „gemeinen“ Rainkohl sehr wahrscheinlich schon einmal über den Weg gelaufen. Die Pflanze sorgt wegen ihrer guten Vermehrungsfähigkeit für einen schlechten Ruf bei Gärtnern und bei Landwirten. In manchen Ländern ist das Unkraut als invasiv eingestuft und wird mit allen Mitteln bekämpft.

Der Gemeine Rainkohl ist ein Korbblütler, in der gleichen Unterfamilie (Cichorieae) wie Löwenzahn und Pippau, und bildet leckere grüne Blätter den ganzen Winter bis in den Frühling hinein.

Diese Wildpflanze wächst 30-100 cm hoch und liebt gestörte, lehmige oder nährstoffreiche Böden. Sie liebt auch den Stickstoff, deshalb ist sie oft am Wegrand zu sehen. Sie ist eine Halbschattenpflanze und eher ein Wärmeanzeiger, obwohl sie es gerne auch unter der Schneedecke hat. Das Wildkraut wächst in Höhenlagen bis über 1000 Meter.

Fliegt nicht, aber bildet dichten Bestand in der Nähe der Mutterpflanze

Rainkohl ist eine Zwitter-Pflanze und bildet viele kleine gelbe Blüten und sehr viele Samen ohne Pappus. Die Blüten öffnen sich bei sonnigen Tagen und nur vormittags, dadurch findet auch eine Selbstbestäubung statt.

Die Samen werden so lange im Korb behalten, bis der Wind oder Tier und Mensch die Pflanze abschüttelt. Die Samen werden auch von Tieren oder von Ameisen weiter ausgebreitet.

Ab Herbst keimen die jungen Pflanzen in der Nähe der verblühten und ausgetrockneten Mutterpflanze. Diese besetzen den Platz in den konkurrenzarmen Wintermonaten mit Rosettenblättern und bilden einen dichten Bestand.

Bestimmung im Winter bis April

  • Bei Blattbruch tritt wenig Milchsaft aus.
  • Das Rosettenblatt ist fiederförmig mit vergrößertem Endabschnitt (leierförmig).
  • Die seitlichen Fiederblättchen sind klein und dazwischen gibt es ganz kleine Fiederläppchen unterschiedlichster Form.
  • Das Endabschnitt ist sehr groß.
  • In den ersten Wochen bildet sich erst nur die Mittelrippe (Nervatur) mit dem Endabschnitt.
  • Februar bis April wachsen nach und nach auch die Fiederblättchen an der Mittelrippe.
  • Fiederblättchen sind oft paarig gegenständig oder versetzt angeordnet.
  • Die ganz kleinen Fiederläppchen dazwischen können paarig oder einzeln auftreten.
  • Ab März-April sind die Stängelblätter zur Stängelspitze hin ohne Fiederblättchen und die Mittelrippe wird kürzer und das Endabschnitt wird spitz eiförmig bis lanzettlich.
  • Das Blatt ist im Winter hellgrün und bis April wird dunkelgrün auch rötlich.
  • Die Blattunterseite ist heller und fein behaart.
  • Die Blattoberseite ist nur leicht und stellenweise behaart und wird kahler.
  • Die Mittelrippe ist am Blattansatz sehr behaart und wird zur Blattspitze immer kahler.
  • Die Mittelrippe kann am Blattansatz rötlich oder nur mit rötlichen Randseiten sein und wird zur Blattspitze hin grünlich-weiß.
  • Die Mittelrippe ist im Querschnitt voll und sieht nach einem abgeflachten Halbkreis oder Dreieck aus, wobei die Rundung oder die Dreieckspitze auf der Unterblattseite ist.
  • Der Blattrand ist gewellt oder buchtig gezähnt und ganz fein rötlich (diese feine rötliche Umrandung ist ab März noch sichtbarer).
  • Manchmal sind die Blätter vom Rainkohl-Rostpilz (Puccinia lapsanae) befallen, besonders nach mehrmaliger Blattverletzung.
  • Die Pfahlwurzel ist gelb-weis, wird unter dem Wurzelhals dick, aber nicht so lang. Von diesem verdickten Anteil aus wachsen dann viele kleinere Nebenpfahlwurzeln bis 35 cm tief.
  • Der Wurzelhals ist grünlich.

Es gibt keine giftigen Doppelgänger für Rainkohl. Die Blätter können mit ein paar Korbblütler- und Kreuzblütler-Arten verwechselt werden, diese sind nicht giftig.

Anbau, Ernte und Verwertung

Mensch lässt strategisch ein paar Exemplare bis zur Samenbildung im Garten verteilt wachsen oder Mensch kann auch selbst die Samen von einem Exemplar an gewünschten Stellen verteilen. Beim Ernten der Blätter in den Wintermonaten können die Pflanzen auch gleich ausgedünnt werden, so werden die Wurzeln im Frühling umso größer und der Bestand wird weniger vom Rostpilz befallen.

Die Pflanze wurde schon in der Römerzeit als essbar beschrieben und als Arme-Leute-Essen verspottet („Lapsana vivere“). Und es gibt Belege, dass die Pflanze auch in der Steinzeit gegessen wurde. Auch der deutsche Name weist darauf hin: Rain = Ackerrand und Kohl = wie Kohl essbar.

Sie schmeckt den Tieren sehr gut. Sie dient eingeschränkt als Futter für Bienen und Insekten. Außerdem wird sie auch bei der Herstellung der pflanzlichen Jauche eingesetzt.

Inhaltsstoffe

Eiweiß, Mineralien, Vitamine, Kaffeesäurederivate wie Chicorsäure, Bitterstoffe wie Sesquiterpen, Schleimstoffe, Inulin (Wurzel)

Wirkung auf die Gesundheit

  • Rainkohl soll entzündungshemmend, blutzuckersenkend, appetitanregend und stärkend wirken.
  • Wegen der Bitterstoffe soll die Pflanze positiv auf die Gallenproduktion und Verdauung wirken.
  • Als Tee oder roh wirkt sie auch harntreibend und soll geschwollene Lymphknoten lindern.
  • Rainkohl soll äußerlich die Hautheilung unterstützen und wird auch in kosmetischen Mitteln verwendet.
  • Chicorsäure ist antioxidativ, entzündungshemmend, antiviral und wirkt positiv auf das Immunsystem besonders auf die Mastzellen und auch auf die Kollagengewebe, besonders auf die Darmschleimhaut.
  • Inulin ist ein Probiotikum und sorgt für eine gesunde Darmflora, für eine schnellere Regenerierung der Darmschleimhaut und für ein gestärktes Immunsystem.

Rainkohl ist fester Bestandteil meiner Ernährung im Winter und Frühling und meiner Naturkosmetik-Mazerate.

Verwendung in der Küche

Der Geschmack der Blätter ist erst leicht bitter und ab April immer herber und bitterer. Die Wurzeln sind weniger bitter als bei Löwenzahn und lassen sich beim Kochen mit z.B. einer halben Zitrone ganz neutralisieren.

Blätter werden den ganzen Winter für Salat oder als Blattgemüse für Suppen, Spinat, usw. geerntet.

März-April lohnt sich auch die Wurzeln zu ernten und als Wurzelgemüse zu verwenden. Die älteren Blätter und die dünnen Nebenwurzeln werden entfernt und die Haut der Hauptwurzel wird mit dem Messer abgekratzt.

Ab April werden vereinzelt junge Blätter, Triebe und Triebspitzen dann Blütenknospen und Blüten und dann Samen als Sprossen-Keimsaat geerntet.

Rezept

Zutaten: Rainkohlwurzeln mit den jungen Herzblättern, Bärlauch/Lauch, halbe Zitrone, Hafermilch, Salz, Pfeffer

Wurzeln schälen und von Blättern abtrennen. Die Wurzeln, Blätter, Bärlauch und eine halbe Zitrone klein schneiden. Wurzeln mit der Zitrone zusammen andünsten, dann noch die Bärlauch- und die Rainkohlblätter dazu geben. Mit Salz, Pfeffer und etwas Hafermilch ablöschen. 5 Minuten köcheln lassen.

Guten Appetit!

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