Riesen-Goldrute (Solidago gigantea, Asteraceae)

Die Goldrute ist mehrjährig und kommt oft uneingeladen in Deinen Garten oder Du findest sie in Deiner Nähe: am Weg- und Waldrand oder im Bachbett, am Ufer, auf ungepflegten Feldern und Wiesen, gestörten Flächen, …

Nicht selten bildet die Pflanze sehr große und dichte Bestände, so dass andere Pflanzen nicht mehr mitwachsen können. Nur Brombeeren, Baumarten und andere stark durchsetzungsfähige Pflanzen kommen noch durch.

Die Goldruten, besonders die 2 stark invasiven Arten aus Kanada, Riesen-Goldrute und Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), haben sich leider schon immer einen schlechten Ruf bei den Landwirten und nun langsam auch bei Naturschützern gemacht. Sie werden jedes Jahr mit allen Mitteln bekämpft und oft ohne Erfolg. Daher steht sie in einigen Ländern schon auf der schwarzen Liste.

Die Wurzel-Kriechpionierin bildet ein dichtes und zähes Wurzelwerk mit vielen Sprossknospen und ist eine Mykorrhiza-Expertin

  • Ein paar cm unter der Erde wird ein dichtes Rhizomennetz mit über 300 Sprossknospen/m² gebildet. Wurzeln reichen auch bis 1-2 m tief unter der Erde.
  • Rhizomfragmente sind sehr wachstumsfähig und breiten sich über Bodenbearbeitung, Erdaushub, Gartenabfälle und Gewässer aus.
  • Wird von Bienen, Hummeln und anderen Insekten geliebt und bildet ca. 15000 fliegende Samen pro Blütenstand, die bis in den Frühling hinein durch Wind nach und nach ausgebreitet werden.
  • Bildet dichte und erstickende Bestände, wo die meisten anderen Pflanzen sich weder unterirdisch, noch oberirdisch durchsetzen können.
  • Zieht unheimlich die guten symbiotischen Bodenpilze und Bakterien an, die ihr eine Überversorgung an Nährstoffen und Wasser gegen Chlorophyll zur Verfügung stellen (arbuskuläre Mykorrhizapilze).
  • Diese Symbiose erweitert räumlich und inhaltlich die Nährstoffquellen des Bestands und wird von Bodenpilzen bevorzugt, deshalb leiden die nah liegenden Pflanzenarten an Mykorrhiza-Tauschnährstoffmangel und wachsen langsamer.
  • Die arbuskuläre Symbiose macht gleichzeitig die Goldrute resistent gegen Blattläuse, schädliche Pilze und andere Schädlinge.
  • Die verbesserte Wasserversorgung macht die Goldrute trockenheitsresistenter und eine klare Gewinnerin unter den Pflanzen bei der Klimaanpassung.
  • Sie kann die Größe der Blätter bei Trockenheit verkleinern.

Bestimmung April-Juni

  • Auf der Stelle sind noch die alten, vertrockneten Stängel vom Vorjahr zu sehen, manche noch stehend.
  • Die Sprossachsen sind kahl, rötlich, oft bläulich bereift und nur am Blütenstand verzweigt. (50-250 cm)
  • Die Blätter sind sitzend, schmal lanzettlich und gesägt bis weit gesägt oder ganzrandig
  • Die Blattnervatur hat eine Hauptrippe und zwei Nebennerven, die relativ parallel dazu verlaufen.
  • Blattoberseite ist grün und die -unterseite viel heller und mit sehr sichtbarer Nervatur.
  • Blattrand hat Härchen und eine dunklere Umrandungslinie
  • Der Stängel ist manchmal nur vor dem Blütenstand leicht behaart (anders als bei der Kanadischen Goldrute, wo er schon ganz unten behaart ist)
  • Oft wächst das giftige und etwas ähnlich aussehende Fuchs-Greiskraut in der Nähe – ihre Blätter haben aber dichte Blattrandzähne, sind breiter und haben keine 3 parallel verlaufende Nerven. Auch der geschälte Stängel schmeckt bitter und sehr unangenehm.

Anbau, Ernte und Verwertung

Die Pflanze lieber in der Gartenecke mit Giersch und Brennenseln und anderen starkwüchsigen Pflanzen zusammen pflanzen.

Bei uns im Garten habe ich die Pflanze am Zaun zur Straße entdeckt. Ich biete ihr in einer Ecke Lebensraum, aber passe wegen der vielen Arten und Platzmangels darauf, dass sich der Bestand nicht vergrößert.

Deshalb ziehe ich nach der Stängelernte die Rhizomausläufer konsequent raus und dann entweder zum Tee, Kräuterbad, Jauche verarbeiten oder gut ausgetrocknet dem Kompost geben.

Wer einen großen Garten hat oder Bienenhaltung macht, kann der Pflanze mehr Raum anbieten, denn im Frühherbst blühen nicht so viele Pflanzen. Dennoch ist das inzwischen von vielen Fachleuten nicht mehr empfohlen, denn es gibt inzwischen ausreichend natürlich vorkommende Bestände, die immer größer werden.

Mit den Flavonoiden aus den Blüten lassen sich Wolle und andere Stoffe leicht färben.

Inhaltsstoffe

Kohlenhydrate, Flavonoide (Quercetin, Kämpferol, Isorhamnetin, Lutin, Astralgin, …), Saponinen wie Triterpene und Diterpene, ätherische Öle, Gerbstoffe wie Kaffeesäure, …

Weitere Inhaltsstoffe und Studien: https://www.researchgate.net/search/publication?q=Solidago%20gigantea

Wirkung auf die Gesundheit

Die Goldrute wirkt sich positiv auf Nieren-, Blasen- und Harnwegerkrankungen aus.

Sie wirkt harntreibend, krampflösend, entzündungshemmend, antibakteriell und antifungizid, adstringierend, blutstillend und entgiftend.

Sie fördert die Aktivierung der Glutathion-STransferasen, wodurch gewebsschädigende Stoffe umgewandelt und über die Niere ausgeschieden werden.

Sie wird oft bei Nierengrieß und Schleimhautentzündungen der Harnwege eingesetzt (Flavonoide, Saponine). Sie soll auch bei Blutungen, Wassersucht und Blähungen helfen.

Dafür werden Extrakte oder Tee- und Badesalzpräparate aus den Wurzeln, Blättern und Blüten hergestellt. Solche Präparate sind auch in der Apotheke zu kaufen.

Das ätherische Öl, besonders der Blätter, besteht aus über 90 unterschiedlichen Wirkstoffen und manche darunter sollen gegen Krebs wirken.

Ich kann eine erhöhte Nierentätigkeit und ein entspanntes Entleeren der Blase bestätigen.

Verwendung in der Küche

Die jungen Blätter und ganz junge Sprosse werden im Frühjahr im Salat und anderen Gerichten verwendet. Danach lieber nur sparsam als Gewürz oder als Heiltee verwenden.

Die Blütenknospen und besonders die Samen sind wertvoll und können auch gesammelt und verwertet werden.

Die Wurzeln, die Stängelhaut, die Blätter und auch die Blüten sind bitter und mit einem unangenehmen Nachgeschmack und werden immer bitterer. Es gibt jedoch eine Ausnahme:

Die geschälten jungen Stängel (Sprossachsen) im Frühling oder die letzten 20-25 cm vom Stängel bis Ende Juni sind nicht bitter. Sie sind roh gut essbar und angenehm im Geschmack. Gekocht sind sie noch leckerer, wie Mini-Spargel.

Die Stängelhaut ist am Anfang noch relativ neutral, später wird sie immer bitterer und widerlicher im Geschmack. Der Stängel ist anfangs weich, später wird er faserig.

Die Stängelhaut abzuziehen braucht jedoch etwas Zeit und Geduld. Wir haben zu dritt eine Stunde lang für fünf (150g/Person) die Haut abgezogen. Mit einem kleinen Messer oder starken Nägeln lässt sich die Haut gut entfernen. Wir haben dabei viel gequatscht und für gute Stimmung gesorgt. Die Arbeit hat sich geschmacklich gelohnt.

Rezept

  • 5oog geschälte Goldruten-Sprosse
  • Öl, Salz, Pfeffer

Roh: Goldruten-Sprosse in einer Gewürzölmischung einen Tag liegen lassen, dann roh essen.

Gekocht: Sprosse in einer Pfanne mit Wasser oder Öl und Gewürz für 10 Minuten lang dünsten lassen.

Mitgegessen wurden noch:

  • Wildkräuter-Gemüsesalat
  • Gekochte Linsen
  • Gekochte Buchweizen mit Lauch und Hafermilch

Einen Guten und bis Baldrian im Walde!

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